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Über die Zugehörigkeit zu einer Tierart entscheiden nicht allein Form, Farbe und Leistung, sondern auch die gemeinsame Abstammung und die Möglichkeit, fruchtbare Nachkommen - selbst bei Paarungsunfähigkeit - hervorzubringen. Das ist bei unseren Haushunden der Fall, denn immer können wir auch bei den extremsten Exemplaren der einzelnen Rassen den Hund erkennen, der gegebenenfalls künstlich besamt werden kann, wenn eine natürliche Paarung wegen zu unterschiedlicher Größe der Partner nicht möglich ist, und so dennoch fruchtbare Nachkommen ergibt.
Die heute übliche Erklärung des zoologischen Rassebegriffs lautet: »Rassen sind Gruppen von Einzeltieren innerhalb einer Art, die sich durch das Vorhandensein bestimmter Eigenschaften von anderen Artgenossen unterscheiden und diese Eigenschaften im allgemeinen auf ihre unter gleichen Umweltbedingungen aufwachsenden Nachkommen vererben.«
In der Vererbungslehre hingegen versteht man unter Rasse »eine Gruppe von Tieren, die auf Grund von geleiteter Zuchtwahl erbreine Träger eines bestimmten Erbmerkmaics sind«. Diese Rassen sind das Ergebnis planmäßiger züchterischer Arbeit. Der Tierzüchter, auch der Hundezüchter, versteht nach W. Koch unter Rasse wieder etwas anderes. Tierzüchtcr richten sich nach einem aufgestellten Zuchtzicl, entsprechend einer Reihe von Merkmalen und Eigenschaften - vorwiegend hinsichtlich Körperform, Farbe und Verhalten oder Leistung -, und um dieses zu erreichen, ist eine komplizierte, sorgfältige Arbeit erforderlich. W. Koch betont, daß in Verbindung mit dem Zuchtzicl die Angehörigen einer Haustierrasse deshalb auch gewöhnlich nur für die meisten Merkmale einigermaßen erbgleich sind. Die Variationsbreite innerhalb einer Rasse kann in bczug auf Größe, Form und Substanz des Gebäudes, Farbe, Behaarung und Verhalten recht groß sein.
Die ersten Haushunde waren Primitivoder Ursprungsrassen, wie sie noch heute in Südcuropa, Asien, Nord- und Ostafrika vorkommen. Später bildeten sich dann die ver
edelten und verbesserten Naturrassen als Übergangsrassen zu den Zucht- und Kulturrassen der Gegenwart heraus. Nach W. Koch war bereits beim Wildhund eine Anzahl von rassebildenden Merkmalen vorhanden, und weitere sind bald nach der Domestikation aufgetreten. Damit war schon in vorgeschichtlicher Zeit die Voraussetzung zur Rassenzüchtung gegeben. Es ist nicht anzunehmen, daß irgendeine Rasse über sehr lange Zeiträume hindurch bestanden hat, dagegen ist es möglich, daß eine Rasse mit bestimmten Merkmalen zu verschiedenen Zeiten neu gezüchtet wurde. Sobald aber der Mensch das Interesse an einer Rasse verliert, sie nicht mehr weiterzüchtet, verschwindet sie. Das Aussterbcn der Rassen hängt oft mit den veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen und mit dem Verwendungszweck zusammen, wie das z. B. bei den Hunden der Fall ist, die für die aufwendigen Hetz- und Parforcejagden des Feudaladels verwendet wurden.
Unsere Haushundrassen entstanden dadurch, daß der Mensch zu allen Zeiten eine gewisse Auswahl unter den vorhandenen Haushunden entsprechend deren Eigenschaften vornahm. Die wertvolle Hilfe des Hundes bei der Bewachung und zum Schutz der Herden sowie bei der Jagd läßt darauf schließen, daß früher Hirten und Jäger die von ihnen geschätzten Eigenschaften der Hunde zu erhalten trachteten, indem sie die nach der Leistung geeignetsten Tiere paarten. Viele Jahrhunderte war einzig und allein für die Auswahl der Partner der Gebrauchszweck bestimmend. Form und Farbe spielten eine untergeordnete Rolle, obwohl bestimmte Farbzeichnungen der Jagdhunde, wie beispielsweise Scheckung, bei den alten Römern als Merkmal für die »Echtheit« des Hundes galt und der weiße Hirtenhund wegen seiner Farbe vorgezogen wurde, da er mit dem Wolf nicht zu verwechseln war.
Bei der reinen Gcbrauchszucht wurde alles von der Zuchtverwendung ausgeschlossen, was den Anforderungen nicht entsprach. Diese Art der Zuchtauswahl in Verbindung mit Inzucht führte zur Herausbildung örtlicher Schläge und zur Voraussetzung für die Rassenbildung...
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